Ein Plädoyer für mehr positive Berichterstattung über die 24-Stunden-Betreuung

Ein Plädoyer für mehr positive Berichterstattung über die 24-Stunden-Betreuung

Medien brauchen Aufreger

Die Medienwelt lebt von Skandalen, die Emotionen hervorrufen – das ist wenig überraschend. Ob in der Politik, in wirtschaftlichen Belangen oder auch bei Berichten aus dem Gesellschaftsleben: was für Aufsehen sorgt, wird in der Zeitung abgedruckt oder als Fernsehbeitrag gesendet. Hinzu kommt noch die Herausforderung Inhalte in kurzer Zeit transportieren zu müssen – oft bleibt nicht mehr als eine Spalte in der Zeitung oder wenige Minuten Sendezeit.

Diese Suche nach Aufregern ist besonders bei sensiblen Themen wie Gesundheit und der Hilfe von Bedürftigen problematisch. Negative Aspekte werden in den Vordergrund gestellt und erzeugen dadurch ein total verzerrtes Bild – so auch in der 24-Stunden-Betreuung. Es scheint, als wären Skandale in diesem Bereich an der Tagesordnung, von Ausbeuterei und schlimmsten Betreuungsstandards ist hier die Rede. Das sorgt nicht nur für den nötigen Aufreger in der Medienwelt, sondern es macht Angst. Pflege und Betreuung sind sehr intime Dienstleistungen, in denen Vertrauen eine zentrale Rolle spielt. Schließlich sind betreuungsbedürftige Personen Familienmitglieder, die man gut behandelt wissen will.

Positive Entwicklungen werden vernachlässigt

Dass es bei Vermittlungsagenturen (sowohl in- als auch ausländische) schwarze Schafe gibt über die auch berichtet werden soll, steht außer Frage. Gleichzeitig wäre es aber auch wichtig, die positiven Entwicklungen in der 24-Stunden-Betreuung zu thematisieren. Der Großteil der Vermittlungsfirmen arbeitet auf professionellem Niveau, und auch Betreuerinnen sind mittlerweile gut vernetzt um sich über Agenturen austauschen zu können.

Vor allem aufgrund der Kritik der Grünen wurde die Qualität in der 24-Stunden-Betreuung wieder zum Thema. In diesem Zusammenhang berichtet die NÖN, dass das Sozialministerium aber darauf verweist, “dass jetzt schon tausende Hausbesuche zur Qualitätskontrolle durchgeführt werden. Im Vorjahr wurden vom Ressort 4.950 Hausbesuche bei rund 23.500 zu Betreuenden organisiert. Dabei habe sich herausgestellt, dass grundsätzlich eine sehr hohe Qualität und auch hohe Zufriedenheit bei zu Betreuenden und Angehörigen vorhanden sei”.

Gute und umfassende Information über die Leistungen und die Ansprüche bei einer 24-Stunden-Betreuung sind ein wichtiges Kriterium, um den passenden Dienstleister auszuwählen. Regelmäßige Kontrollen und ein kontinuierlicher Austausch zwischen Angehörigen mit der Agentur wie auch mit den Betreuungskräften ist nicht nur im Falle eines Konflikts wichtig, sondern sollte während des gesamten Betreuungsverhältnisses gepflegt werden.

Perfekt-betreut, April 2017

Seniorenbetreuung: eine intime Dienstleistung, in der Vertrauen wachsen muss

Seniorenbetreuung: eine intime Dienstleistung, in der Vertrauen wachsen muss

Die Pflege und Betreuung von Menschen geht mit vielen Berührungen einher – je pflegebedürftiger der Patient, desto mehr physische Unterstützung ist nötig. Hilfe bei der Morgentoilette, Assistenz beim Aufstehen, oder auch bei der Nahrungsaufnahme: was für Pflegekräfte zum Berufsalltag seit vielen Jahren gehört, daran muss sich ein Patient, der mit dieser Situation neu konfrontiert ist, erst einmal gewöhnen – und das braucht Zeit.

Nicht nur Scham spielt eine große Rolle, sondern auch der Verlust von Eigenständigkeit. Es ist kein leichter Prozess sich darauf einstellen zu müssen, dass man bei manchen Handgriffen, gewohnten Bewegungen oder Verrichtungen plötzlich fremde Hilfe braucht. Niemand hat einen darauf vorbereitet, es kommt meist ganz abrupt und oft scheint der Weg zurück in die Selbständigkeit in weite Ferne gerückt zu sein. Seniorenbetreuung ist ein Auf und Ab an Gefühlen: darf man sich bei einem Patienten darüber freuen, dass er den Rollstuhl nur noch selten benutzt und die meisten Wege eigenständig mit Rollator bewältigt, so klingelt kurz darauf das Telefon mit der Nachricht, dass ein anderer Patient ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Doch die schönste Beobachtung ist wohl jene, wenn zwischen Betreuer und Patient ein richtig schönes Betreuungsverhältnis entstanden ist, in dem man sich gegenseitig respektiert und wertschätzt. Das ist gut vergleichbar mit einem kleinen Pflänzchen, das zu Beginn sensibel auf äußere Einwirkungen reagiert, sich mit der Zeit zu einer blühenden und auch robusten Blume entwickelt. Um das zu erreichen, braucht es die Anstrengung von allen Seiten. Auch das Gewähren von Zeit kann im Endeffekt anstrengend und mit viel Geduld verbunden sein, die teilweise schwer aufzubringen ist.
Aber es lohnt sich, weil es schön ist wenn alles gut klappt und man zufriedene Betreuer wie auch Patienten, aber beruhigte Angehörige zu seinem Umfeld zählen darf.

3 grundlegende Pfeiler einer gelungenen Seniorenbetreuung

3 grundlegende Pfeiler einer gelungenen Seniorenbetreuung

Pflege und Betreuung sind intime Dienstleistungen, eine gewissse Vertrauensbasis ist daher Grundvoraussetzung. Wir widmen uns heute den 3 Prinzipien, die sie unbedingt beachten sollten, wenn Sie auf der Suche nach einer Pflegekraft sind. Egal ob nur einige Stunden am Tag oder in der Woche, oder die durchgängige 24h Pflege – die Basis muss stimmen!

Betreuung braucht Zeit

Das wohl größte Problem in der Seniorenpflege ist der Zeitmangel. In vielen Betreuungseinrichtungen kann sich das Personal daher nur auf das Notwendigste beschränken: Verbandswechsel, Körperpflege, Essensaufnahme, Überwachung des Gesundheitszustands. Für eine längere Konversation oder ein gemeinsames Gesellschaftsspiel bleibt meist keine Zeit. Doch genau dieser Faktor ist sehr wichtig im Bereich der Altenpflege: durch Konversation und der aktiven Beschäftigung mit Patienten fordert man diese und regt dadurch physische und psychische Mechanismen an, die das Wohlbefinden steigern. Alleine das Gefühl in Gesellschaft zu sein und zu wissen, dass sich jemand Zeit nimmt um zu plaudern oder gemeinsam einen Spaziergang zu machen lässt den Tag ganz anders erleben. Chronischer Zeitmangel hingegen kann schnell zur Frustration führen, die als Folge von permanenter Langeweile zu verstehen ist. Menschen fühlen sich von der Gesellschaft nicht mehr akzeptiert und sehen sich selbst oft als Störfaktor – eine bedenkliche Entwicklung. Eine aktive Gestaltung des Alltags muss vielmehr als Vorbeugung, als Prophylaxe negativer Auswirkungen verstanden werden!

Betreuung muss individuell sein

Jeder Mensch hat seinen eigenen Charakter, und danach muss auch die Pflege am Menschen ausgerichtet sein. Nicht jede/r möchte täglich spazieren gehen, für andere ist eine regelmäßige Runde im Freien Pflicht. Oft in der Natur zu sein erzeugt bei vielen Menschen ein Gefühl der Zufriedenheit und inneren Ruhe, andere brauchen das nicht. Bei ihnen kann man diesen Gefühlszustand vielleicht durch Musik oder einen Familienbesuch hervorrufen. Das gilt es auszuprobieren, teilweise auch dadurch, dass von Seiten der Betreuung aktive Vorschläge und Überlegungen gemacht werden. Pflege bedeutet nicht nur Harmonie, sondern auch Forderung. So werden auch Patienten mit Situationen konfrontiert, die ihnen nicht immer behagen. Aber das ist in einer zwischenmenschlichen Beziehung etwas ganz Natürliches, darauf müssen sich beide Seiten einlassen.

Pflege ist intim und braucht daher Vertrauen

Betreuung kann langfristig nur dann erfolgreich sein, wenn Vertrauen erarbeitet wurde. Vertrauen der betreuungsbedürftigen Person, dass man sich auf die Pflegekraft verlassen kann, dass sie um die Bedürfnisse und Wünsche Bescheid weiß und danach handelt. Aber auch in die andere Richtung muss Vertrauen gegeben sein, daher ist von beiden Seiten eine offene und ehrliche Kommunikation unerlässlich. Grundvoraussetzung hierfür ist, dass die Anzahl der Betreuerwechsel so gering wie möglich gehalten wird. Jeder wird mal krank oder möchte auch gerne ein paar Wochen lang auf Urlaub gehen, das ist ganz normal. Nur sollte in der restlichen Zeit darauf geachtet werden, dass es zu keinem vermeidbaren Betreuerwechsel kommt, denn das verhindert oft, dass Vertrauen in die Betreuung einzieht und dieses Verhältnis festigt.

Tatsächlich ist der häufige Wechsel von Betreuungspersonen ein zentraler Kritikpunkt vieler Anbieter. Vor allem große Organisationen sind aufgrund ihrer Personalstruktur oft nicht in der Lage auf diesen Wunsch einzugehen. Für kleine private Pflegeagenturen ist diese Arbeitsweise jedoch ein zentrales Anliegen, die Umsetzung funktioniert alleine aufgrund der viel intensiveren Beziehung zwischen Patient, Betreuer/in und Agentur meist reibungslos. So ist es nicht nur bei der 24h Pflege, sondern auch im Bereich der stundenweisen Betreuung primäres Ziel ein vertrautes Betreuungsverhältnis langfristig sicherzustellen.

perfekt-betreut.at, Juli 2016