24-Stunden-Betreuung muss sich langfristig auf Veränderungen einstellen

24-Stunden-Betreuung muss sich langfristig auf Veränderungen einstellen

Die Basis des bisherigen Modells der 24-Stunden-Betreuung ist ein uneingeschränkter Grenzverkehr. Die Ein- und Durchreisebestimmungen europäischer Länder ändern sich nun laufend, um die Verbreitung des COVID-19 einzudämmen. Das stellt die Pflege in Österreich vor neue Herausforderungen: es muss flexibel reagiert werden, und dafür braucht es auch flexiblere rechtliche Rahmenbedingungen.

Pflegekräfte pendeln in der 24-Stunden-Betreuung in regelmäßigen Abständen zwischen Betreuungsplatz und Heimatland. Wir haben aus den vergangenen Monaten gelernt, dass Hürden beim Grenzübertritt zur Realität geworden sind. Wir haben auch gelernt, dass Regierungen per Verordnungen Grenzen innerhalb weniger Stunden schließen: Planungen müssen daher kurzfristig abgeändert werden. All das schaffen wir nur, indem wir uns rasch auf neue Gegebenheiten einstellen.

Die Hürden im innereuropäischen Reiseverkehr macht Pflege teurer, denn die Auswirkungen sind längere Wartezeiten, weniger Reiseanbieter, erhöhte Fahrpreise, wie auch gesteigerte Kosten aufgrund medizinischer Voraussetzungen – Stichwort PCR Test als Einreisebedingung. Es wäre daher zu begrüßen, dass an Grenzübergängen nach Österreich PCR-Teststraßen eingerichtet werden, um Schnelltests durchführen zu können. Somit wäre sichergestellt, dass Pflegekräfte ihre Arbeit unverzüglich nach Ankunft bei der Betreuungsstelle aufnehmen können. Und auch Familien hätten die Absicherung, dass sie sich auf einen in Österreich durchgeführten PCR-Test verlassen können.

Es ist allgemein bekannt, dass die 24-Stunden-Betreuung mit geringer finanzieller Unterstützung durch die öffentliche Hand auskommen muss – daran hat Corona wenig geändert. Die angesprochenen Mehrkosten stellen daher für die Betroffenen (Familien-PflegerInnen-Agenturen) eine zusätzliche Belastung dar, die auf Dauer nicht ohne Unterstützung auskommen wird. 24-Stunden-Pflege darf nicht finanziell noch belastender werden als bisher, denn dadurch wird diese Betreuungsform noch selektiver und ist somit nur für einkommensstarke Familien zugänglich. Diese Gefahr besteht, wenn nicht bald erkannt wird, dass wir uns langfristig auf die jetzige Situation einstellen müssen und sie nicht trügerisch als kurzfristige Übergangsphase behandeln dürfen.

Wir fordern daher, dass Pflegekräfte bei Einreise an der Grenze nach Österreich einen staatlich finanzierten PCR-Test machen können. Zusätzlich braucht es eine Infrastruktur für Infektionen: derzeit hoffen wir alle, dass es zu keinen Ansteckungen kommt, denn es existiert kein Plan für diesen Fall. Klar ist, dass Betreuerinnen in Österreich keine Möglichkeit einer Heimquarantäne haben, aber in diesem Fall auch nicht ausreisen können. Daher müssen wir uns für diese Fälle rüsten. Denn das Infektionsrisiko wird uns nun länger begleiten: eines der wenigen Dinge, die wir derzeit mit Sicherheit wissen.   

perfekt-betreut.at, Juli 2020

Wer es sich nicht leisten kann, muss ins Heim: was im Pflegesystem Österreich nicht stimmt

Wer es sich nicht leisten kann, muss ins Heim: was im Pflegesystem Österreich nicht stimmt

Menschen, die sich eine Betreuung zu Hause nicht leisten können, bleibt meist nur ein Heimplatz als Alternative. Doch das kostet dem Staat viel mehr Geld, als würde man die Betreuung zu Hause finanziell entsprechend unterstützen.

Wie betreut wird können nur Wohlhabende frei wählen

Jeder Pflegefall ist unterschiedlich, daher ist die Art und Weise, wie Pflege organisiert wird, eine individuelle Entscheidung. Die familiären Rahmenbedingungen sind hier genauso eine wichtige Entscheidungsgrundlage wie die finanziellen Möglichkeiten und die Vereinbarkeit eines pflegenden Angehörigen mit beruflichen Verpflichtungen. Dazu kommt noch, dass sich Krankheitsbilder sehr rasch ändern können und auf neue Situationen unmittelbar reagiert werden muss, da die Bedürftigkeit plötzlich und unerwartet eintreten kann.

Heimplätze sind mit hohen Kosten verbunden

Von einem Sozialstaat wie Österreich würde man sich erwarten, dass vor allem kostengünstigere Modelle wie die Betreuung zu Hause finanziell in einem Ausmaß unterstützt werden, sodass diese Betreuungsformen auch für Personen mit geringeren Einkommen leistbar werden. Dem ist aber nicht so – ganz im Gegenteil: eine Berücksichtigung der persönlichen Einkommensverhältnisse findet im Pflegesystem nur sehr eingeschränkt statt. Sind die finanziellen Mittel für eine Betreuung in den eigenen vier Wänden nicht vorhanden, so bleibt nur noch der Weg ins Heim. Bei diesem System ist jedoch nicht nur der Betroffene der Verlierer, sondern auch der Sozialstaat. Denn ein Heimplatz kostet dem Steuerzahler pro Monat zwischen 2.500 EUR und 4.840 EUR!

Fehlende Unterstützung für die Pflege zu Hause

Es ist daher unverständlich, warum es bis heute keine Unterstützung gibt, die auch einkommensschwachen Familien eine Betreuung zu Hause ermöglichen. Die derzeit vorgesehene Förderung in Höhe von 550 EUR reicht für viele Betroffene nicht aus, als einzige Alternative jedoch einen teuren Heimplatz – meist gegen den Willen der Betroffenen – anzubieten freut lediglich die Heimbetreiber.

In Österreich muss es möglich sein, dass jede Familie entscheiden kann, welche Betreuungsform die beste für ihre Angehörigen ist. Nicht aus finanziellen Gründen, sondern aufgrund des Krankheitsbildes, der Organisation, und nicht zuletzt auch aufgrund der Präferenzen des Betroffenen.

Für diese Umverteilung braucht es keine Diskussion über Erbschaftssteuer oder andere Formen der Gegenfinanzierung – eine gerechtere Aufteilung der vorhandenen Mittel würde vielen Menschen mehr Entscheidungsfreiheit zurückgeben und Wohlbefinden sicherstellen.

Wolfgang Kutschera, perfekt-betreut.at, September 2017

12. Mai: Tag der Pflege in Österreich

12. Mai: Tag der Pflege in Österreich

Es gibt Dinge im Leben, für die es sich zu kämpfen lohnt. Gerade die Gesundheit ist eines der wohl höchsten Güter. Zahlreiche Personen stehen täglich auf, um Gesundheit zu ermöglichen und Kranken zu helfen – von Ärzten über Pflegepersonal, bis hin zu Transportdienstleister oder dem Fitnesscoach.

Das österreichische Gesundheitssystem ist sehr komplex, viele Aspekte sind zu hinterfragen, Reformbedarf gibt es seit langer Zeit. Gesundheit ist teuer, und die Kassenleistungen sind wohl eine der wichtigsten Ausgaben unseres Sozialstaats. Hier wird das Gemeinsame gelebt, sodass Bedürftigen geholfen werden kann. An Gesundheitsstandards kann man immer Kritik üben, Tatsache ist aber, dass das österreichische Gesundheitssystem ein sehr hohes Niveau aufweist. Darauf kann man als Versicherter stolz sein – denn schließlich ist genau das unser aller Verdienst.

Wir möchten am Tag der Pflege nicht nur dem Gesundheitspersonal danken, sondern diesen Anlass auch für eine Mahnung an die Politik und den Gesetzgeber nutzen, die hohen Qualitätsstandards in Österreich nicht zu gefährden und Missstände weiter abzubauen. Vor allem im sensiblen Bereich der Gesundheit muss das ein zentrales Anliegen sein. Mehr qualitätssichernde Regelungen, mehr Kontrollen, zielgenauere Förderstrukturen – hier gibt es noch viel Verbesserungsbedarf!

Genauso wichtig ist es aber auch, die hohe Zufriedenheit der pflegebedürftigen Personen hervorzuheben, die mobile Pflegedienste in Anspruch nehmen. Sämtliche Vereine und Organisationen arbeiten hier mit hohem Qualitätsansprüchen an sich selbst. Diese hohe Zufriedenheitsrate geht bei so mancher öffentlicher Diskussion über Missstände im Pflege- und Betreuungsbereich komplett unter – und das ist ungerecht.

perfekt-betreut, Mai 2017