Corona-Testkapazitäten werden zum Problem in der 24-Stunden-Betreuung

Corona-Testkapazitäten werden zum Problem in der 24-Stunden-Betreuung

Pflegekräfte, die in der 24-Stunden-Betreuung tätig sind, müssen für die Einreise nach Österreich aus Risikogebieten wie Rumänien oder Bulgarien negative PCR-Tests, die nicht älter als 72 Stunden sind, mitführen. Andernfalls werden sie an der Grenze abgewiesen. Diese Maßnahme ist aus gesundheitspolitischen Gründen nachvollziehbar, es kommt aber zunehmend zu logistischen Problemen, welche für die 24-Stunden-Betreuung zur großen Herausforderung werden.

Rodica C. pendelt nun schon seit knapp 8 Jahren zwischen Rumänien und Österreich, um hier ihrer Arbeit als selbständige Personenbetreuerin in der 24-Stunden-Pflege nachzugehen. Das vergangene halbe Jahr konnte sie aufgrund des Corona Lock-downs und der eingeschränkten Reisemöglichkeiten nicht arbeiten. Ihre Kollegin musste hingegen monatelang durcharbeiten. Nachdem die Grenzschließungen aufgehoben wurden, kann sich Rodica C. nun endlich auf den Weg zu ihrem Arbeitsplatz in Österreich machen.

Dass ein negativer PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden sein darf, als Einreisebedingung nach Österreich von den österreichischen Behörden verlangt wird, das weiß sie. Rodica C. meldet sich daher 3 Wochen vor der geplanten Reise bei einem Labor in Arad – eine Stadt in Westrumänien – an. Fast zu spät, wie ihr mitgeteilt wird, denn Voranmeldungen sind mindestens ein Monat vor dem Test zu machen. Der Andrang ist enorm, da nicht nur 24-Stunden-Betreuerinnen nach Österreich zur Arbeit müssen, sondern tausende Arbeitnehmer aus verschiedenen Branchen.

Am vereinbarten Tag – am Vortag der geplanten Reise nach Österreich – reist Rodica C. von ihrem Heimatort in die 80km entfernte Stadt Arad. Dort wird der erforderliche Abstrich gemacht, die Auswertung dauert 24 Stunden. Das bedeutet eine Nacht im Hotel. Rodica C. zahlt das Hotel und hofft auf Verständnis der Familie in Österreich, damit diese für die Mehrkosten aufkommt. Ob das klappt, weiß sie zu diesem Zeitpunkt nicht. Wahl hat sie ohnehin keine, denn sie muss nach so langer Pause wieder arbeiten.

Am nächsten Tag fährt Rodica C. zum Labor, denn die Testergebnisse sollen ab 12 Uhr abholbereit sein. Dort angekommen wartet sie geduldig – 2 Stunden vergehen. Sie hat noch genügend Zeit, denn der Bus fährt um 17 Uhr. Als sie um 15 Uhr noch immer kein Testergebnis erhalten hat, macht sie auf ihre Situation und die geplante Abreise nach Österreich aufmerksam. Doch in derselben Lage befinden sich sämtliche Wartende: alle haben ihre Abreise geplant, viele von ihnen müssen ihre Kolleginnen am Folgetag ablösen, da diese ihrerseits die Heimreise bereits gebucht haben.

Die Labormitarbeiterin, welche die Testergebnisse ausgibt, bittet um Aufmerksamkeit: „Aufgrund des hohen Andrangs ist es uns nicht weiter möglich, die Testergebnisse auch noch zu übersetzen. Ab sofort werden alle Testergebnisse in rumänischer Sprache ausgestellt. Übersetzen müssen Sie das woanders lassen.“ Um 16 Uhr hält Rodica C. nun endlich ihr negatives PCR-Testergebnis in der Hand, das aber noch übersetzt werden muss. Der Bus geht in einer Stunde.

Rodica C. weiß sich keinen Rat mehr, denn mit diesem Testergebnis wird sie die Grenze nicht passieren dürfen. Sie informiert die Kollegin, die Agentur, die Familie. Auch beim Fahrtendienst ruft sie an, um mitzuteilen, dass sie einen negativen PCR-Test hat, wobei die Übersetzung ins Englische oder Deutsche fehlt. Dort erfährt sie, dass es anderen Fahrgästen ähnlich geht. Schnell wird über den Fahrer noch ein Übersetzungsbüro kontaktiert – die erste Zwischenstation nach der Abfahrt. Mit 3-stündiger Verspätung macht sich der Bus dann auf in Richtung Österreich. Hoffentlich kommt es zu keinen langen Grenzwartezeiten oder Staus auf der Strecke, damit die geplanten Wechsel in der Personenbetreuung lückenlos vollzogen werden können.

Diese Gesamtsituation hat entscheidenden Einfluss auf die Qualität der 24-Stunden-Betreuung, denn rasche Wechsel wie bei einem Krankheitsfall einer Betreuungskraft sind so gut wie unmöglich. Lange Vorlaufzeiten verhindern die rasche Organisation einer Ablöse, und auch bei einem regulären Wechsel ist es aufgrund der Überlastung der Labore nicht immer sichergestellt, dass dieser auch wie geplant durchgeführt werden kann. Diese Belastung für die 24-Stunden-Betreuung wird hoffentlich bald durch die Errichtung von Teststraßen an den Grenzen entschärft, die ja schon seit längerer Zeit beschlossen ist. Denn die Verantwortung der Testdurchführungen in die Hände von Staaten zu legen, deren Gesundheitssysteme schon langfristig mit gravierenden Problemen kämpfen, kann keine Dauerlösung sein.    

perfekt-betreut.at, August 2020

24-Stunden-Betreuung im Zeichen der Corona-Krise: ein Lagebericht

24-Stunden-Betreuung im Zeichen der Corona-Krise: ein Lagebericht

Die Grenzen zu unseren östlichen Nachbarstaaten (SK, HU, CZ) sind nun alle dicht. Steht die 24-Stunden-Betreuung vor einem Kollaps?

Nein, es gibt jedoch sehr viel Bewegung in verschiedene Richtungen: einige Betreuungskräfte sind in letzter Minute noch abgereist, hier bleiben Lücken, die es zu füllen gilt. Andererseits brechen manche Familien die Betreuung ab, da sie zum Schutz ihrer betreuungsbedürftigen Angehörigen die Sozialkontakte minimieren möchten. Dadurch stehen auch Betreuerinnen plötzlich ohne Familie da, die in der jetzigen Situation aber nicht nach Hause fahren können.

Der Großteil des Betreuungspersonals hat sich aufgrund der Grenzschließungen aber dafür entschieden, den Dienst bei ihren Patienten zu verlängern. Auch wir plädieren für diese Lösung, da damit Patient und Betreuer gleichermaßen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt wird. Es ist wünschenswert, dass derzeit kein Betreuerwechsel vorgenommen wird: die Ansteckungsgefahr wäre zu groß, dass Viren von „draußen“ eingeschleppt werden. In den letzten Tagen haben sich bereits sehr viele Betreuerinnen mit den Patienten in den Wohnungen „verschanzt“, um sich entsprechend zu schützen.

COVID19 Coronavirus und die 24-Stunden-Betreuung
24-Stunden-Betreuung in Zeiten der Corona-Krise: notwendige Maßnahmen und Hilfeleistung für Patienten und Betreuungskräfte

Das ist ein Ausnahmezustand – nur wann wird der Zeitpunkt kommen, an dem Grenzen der Belastbarkeit erreicht sind?

Mit physischen und psychischen Belastbarkeitsgrenzen werden wir fortlaufend zu tun haben – hier gilt es individuelle Lösungen auszuarbeiten. Zusammenarbeit ist nun das Gebot der Stunde: mit Interessensvertretungen, anderen Agenturnetzwerken, wie auch Entscheidungsträgern.

Denn zahlreiche Betreuerinnen vor Ort sind einer enormen physischen wie auch psychischen Belastung an ihrem Arbeitsplatz ausgesetzt sind. Alleine das Wissen, hier bleiben zu müssen und nicht nach Hause gehen zu können, bedeutet psychischen Stress. Mitunter ist das Internet die einzige Kontaktmöglichkeit mit der eigenen Familie im Herkunftsland bzw. zur Außenwelt generell. Selbst wenn Familienmitglieder der Betreuerinnen erkranken, ist derzeit eine Ausreise von Österreich nicht durchführbar.

 

Wie kann man das Betreuungspersonal unterstützen?

Das ist primär die Aufgabe von uns Agenturen, denn wir sind die ersten Ansprechpartner für die Betreuerinnen vor Ort. Es ist sehr wichtig, dass sich keine unserer  Betreuerinnen alleingelassen fühlt. Wir führen unzählige Telefonate, fragen aktiv nach und wirken beruhigend ein. Denn es gibt überall das Bedürfnis, die gegenwärtige Situation zu besprechen, und die eigenen Ängste teilen zu können. Das Gefühl des „Verstanden-Werdens“ gibt Mut und Hoffnung. Dabei geht es vor allem um die mentale Unterstützung der Betreuungskräfte, die wochenlang ihr Bestes geben und dabei an ihre Grenzen gehen.

 

perfekt-betreut.at, 17. März 2020

Wer es sich nicht leisten kann, muss ins Heim: was im Pflegesystem Österreich nicht stimmt

Wer es sich nicht leisten kann, muss ins Heim: was im Pflegesystem Österreich nicht stimmt

Menschen, die sich eine Betreuung zu Hause nicht leisten können, bleibt meist nur ein Heimplatz als Alternative. Doch das kostet dem Staat viel mehr Geld, als würde man die Betreuung zu Hause finanziell entsprechend unterstützen.

Wie betreut wird können nur Wohlhabende frei wählen

Jeder Pflegefall ist unterschiedlich, daher ist die Art und Weise, wie Pflege organisiert wird, eine individuelle Entscheidung. Die familiären Rahmenbedingungen sind hier genauso eine wichtige Entscheidungsgrundlage wie die finanziellen Möglichkeiten und die Vereinbarkeit eines pflegenden Angehörigen mit beruflichen Verpflichtungen. Dazu kommt noch, dass sich Krankheitsbilder sehr rasch ändern können und auf neue Situationen unmittelbar reagiert werden muss, da die Bedürftigkeit plötzlich und unerwartet eintreten kann.

Heimplätze sind mit hohen Kosten verbunden

Von einem Sozialstaat wie Österreich würde man sich erwarten, dass vor allem kostengünstigere Modelle wie die Betreuung zu Hause finanziell in einem Ausmaß unterstützt werden, sodass diese Betreuungsformen auch für Personen mit geringeren Einkommen leistbar werden. Dem ist aber nicht so – ganz im Gegenteil: eine Berücksichtigung der persönlichen Einkommensverhältnisse findet im Pflegesystem nur sehr eingeschränkt statt. Sind die finanziellen Mittel für eine Betreuung in den eigenen vier Wänden nicht vorhanden, so bleibt nur noch der Weg ins Heim. Bei diesem System ist jedoch nicht nur der Betroffene der Verlierer, sondern auch der Sozialstaat. Denn ein Heimplatz kostet dem Steuerzahler pro Monat zwischen 2.500 EUR und 4.840 EUR!

Fehlende Unterstützung für die Pflege zu Hause

Es ist daher unverständlich, warum es bis heute keine Unterstützung gibt, die auch einkommensschwachen Familien eine Betreuung zu Hause ermöglichen. Die derzeit vorgesehene Förderung in Höhe von 550 EUR reicht für viele Betroffene nicht aus, als einzige Alternative jedoch einen teuren Heimplatz – meist gegen den Willen der Betroffenen – anzubieten freut lediglich die Heimbetreiber.

In Österreich muss es möglich sein, dass jede Familie entscheiden kann, welche Betreuungsform die beste für ihre Angehörigen ist. Nicht aus finanziellen Gründen, sondern aufgrund des Krankheitsbildes, der Organisation, und nicht zuletzt auch aufgrund der Präferenzen des Betroffenen.

Für diese Umverteilung braucht es keine Diskussion über Erbschaftssteuer oder andere Formen der Gegenfinanzierung – eine gerechtere Aufteilung der vorhandenen Mittel würde vielen Menschen mehr Entscheidungsfreiheit zurückgeben und Wohlbefinden sicherstellen.

Wolfgang Kutschera, perfekt-betreut.at, September 2017

12. Mai: Tag der Pflege in Österreich

12. Mai: Tag der Pflege in Österreich

Es gibt Dinge im Leben, für die es sich zu kämpfen lohnt. Gerade die Gesundheit ist eines der wohl höchsten Güter. Zahlreiche Personen stehen täglich auf, um Gesundheit zu ermöglichen und Kranken zu helfen – von Ärzten über Pflegepersonal, bis hin zu Transportdienstleister oder dem Fitnesscoach.

Das österreichische Gesundheitssystem ist sehr komplex, viele Aspekte sind zu hinterfragen, Reformbedarf gibt es seit langer Zeit. Gesundheit ist teuer, und die Kassenleistungen sind wohl eine der wichtigsten Ausgaben unseres Sozialstaats. Hier wird das Gemeinsame gelebt, sodass Bedürftigen geholfen werden kann. An Gesundheitsstandards kann man immer Kritik üben, Tatsache ist aber, dass das österreichische Gesundheitssystem ein sehr hohes Niveau aufweist. Darauf kann man als Versicherter stolz sein – denn schließlich ist genau das unser aller Verdienst.

Wir möchten am Tag der Pflege nicht nur dem Gesundheitspersonal danken, sondern diesen Anlass auch für eine Mahnung an die Politik und den Gesetzgeber nutzen, die hohen Qualitätsstandards in Österreich nicht zu gefährden und Missstände weiter abzubauen. Vor allem im sensiblen Bereich der Gesundheit muss das ein zentrales Anliegen sein. Mehr qualitätssichernde Regelungen, mehr Kontrollen, zielgenauere Förderstrukturen – hier gibt es noch viel Verbesserungsbedarf!

Genauso wichtig ist es aber auch, die hohe Zufriedenheit der pflegebedürftigen Personen hervorzuheben, die mobile Pflegedienste in Anspruch nehmen. Sämtliche Vereine und Organisationen arbeiten hier mit hohem Qualitätsansprüchen an sich selbst. Diese hohe Zufriedenheitsrate geht bei so mancher öffentlicher Diskussion über Missstände im Pflege- und Betreuungsbereich komplett unter – und das ist ungerecht.

perfekt-betreut, Mai 2017

Papa, erkennst du mich?

Papa, erkennst du mich?

Aus dem Leben eines dementen Patienten mit 24h Betreuung

Nun ist es September geworden. Der Sommer war schön: viel Sonne, viel Zeit zum Spazieren gehen. Draußen wird es nun schon früher dunkel, auch am Morgen sind die Scheiben schon etwas angeschlagen. Der Garten blüht nach wie vor, als bekäme er vom herannahenden Herbst nichts mit.

Auch Herr Kuttner konnte den Sommer in vollen Zügen genießen. Die Pflegekräfte seiner 24h Betreuung haben ihn gut versorgt, sind mit ihm täglich eine Runde durch den Ort gegangen und haben ihn gut bekocht. Dass er versorgt wird, das ist seiner Tochter Emilia wichtig. Sie besucht ihn regelmäßig, erledigt viele Behördenwege und kümmert sich darum, dass es Papa gut geht. „Vor dem Sommer hat man nur in einzelnen Momenten gemerkt, dass Papa Demenz hat, jetzt ist die Situation schon anders“, so die fürsorgliche Tochter. „Er lebt oft in seiner Welt, lässt seine Umgebung nicht an sich ran. Klar gibt es auch Momente, in denen er besser ansprechbar ist. Als Kind muss man den Umgang mit einem dementen Elternteil aber erst lernen. Denn es ist schon schmerzhaft, wenn ich fragen muss: Papa, erkennst du mich? Das ist so, als wäre er nicht da, obwohl er neben mir sitzt.“

Umgang mit Demenz ist ein Lernprozess, der Unterstützung von außen braucht. Zahlreiche Vorträge, Workshops und auch Gemeinschaften können hier konsultiert werden, um damit ein Stück besser umgehen zu lernen. Geliebte Menschen verändern sich durch ihre dementielle Krankheit, zeigen eventuell Launen oder auch Ablehnung in Situationen, die zu einem früheren Zeitpunkt ganz anders verlaufen wären. Die Schuld bei sich selbst als pflegende/r Angehörige/r zu suchen wäre falsch, vielmehr ist der Austausch über diese Themen ein ganz wichtiger Bestandteil des Umgangs mit der Krankheit Demenz und Alzheimer.

Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage der Interessensgemeinschaft pflegender Angehöriger, und sämtliche Informationen zur Betreuung im Falle von Demenz im eigenen Zuhause finden Sie auf der Homepage von perfekt-betreut.at.

Sehnsüchte, Wünsche und Träume – Eine pflegende Angehörige erzählt! — Pflegende Angehörige

Wie anstrengend nicht nur der Alltag, sondern auch jede Nacht im Leben eines pflegenden Angehörigen sein kann, erzählt dieser Artikel.

Heut bin ich 5mal aufgestanden in der Nacht. Mein Mann ist so unruhig und geistert immer umeinander. Drei Wochen war er im Krankenhaus, aber die haben das auch nicht hingekriegt. Vier Stunden in einem zu schlafen, da wäre ich schon zufrieden. Neulich bin ich nicht gleich aufgestanden. Ich war so müde. Dann bin ich doch […]

über Sehnsüchte, Wünsche und Träume – Eine pflegende Angehörige erzählt! — Pflegende Angehörige

Urlaub trotz Pflege? Na dann erst recht!

Urlaub trotz Pflege? Na dann erst recht!

Pflegende Angehörige sollten sich selbst schützen, indem sie aktiv eine Pause von der Pflege machen. Am besten mit optimalem Erholungsfaktor, sprich auch einer örtlichen Distanz zur Situation zu Hause. Ob die Seele nun in einer Wanderregion, an einem Strand oder an einem Seeufer baumelt, wichtig ist dass man sicher erholen und ausspannen kann. Urlaub zu machen sollte nicht nur eine Option, sondern auch ein Grundprinzip sein. Denn Pflege kann man auch delegieren, und diese Hilfeleistung schützt vor Überforderung.

All jenen, die auf eine Auszeit wegen des „schlechten Bildes“, das ein solcher Urlaub entstehen lassen würden, verzichten, sei gesagt: es kann sich niemand in Ihre Situation versetzen und es weiß daher auch niemand welch körperlich und seelisch anstrengende Tätigkeiten Sie Tag für Tag verrichten! Niemand hat daher das Recht Ihnen Ratschläge diesbezüglich zu erteilen. Wer Pflege als Verantwortung des Einzelnen betrachtet, der hat nichts davon verstanden. Denn jemanden erfolgreich über längere Zeiträume zu pflegen bedarf stets einer Teamarbeit. Pflegt man bis zur eigenen Erschöpfung ohne Unterstützung, so hat man auf einen wichtigen Teil der Pflege vergessen: sie entsprechend zu organisieren.

Die Abwesenheit pflegender Angehöriger wird von öffentlicher Hand auch finanziell unterstützt, da auch die Politik erkannt hat, wie entscheidend eine Regenerationsphase für jede/n Einzelne/n für uns ist! Nehmen Sie diese Unterstützung an, und geben Sie den Zeichen Ihres eigenen Körpers mehr Gewicht als Zurufe von Nachbarn, Bekannten oder sonstigen Beobachtern.

Pflege ist schwierig, daher muss sie auch besprochen werden. Die IG Pflege bietet in Österreich zahlreiche Möglichkeiten zum Austausch von Erfahrungen – sei es im Café oder beim Stammtisch pflegender Angehöriger. Gehen Sie dort hin, für die Zeit Ihrer Abwesenheit können Sie stundenweise Betreuung in Anspruch nehmen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen Erholung! Ganz egal wo und wie – die Länge der Erholung gibt Ihnen ohnehin Ihr Körper bekannt. Hören Sie darauf, und missachten Sie diese Signale nicht. Sie sind die Grundvoraussetzung für eine langfristig erfolgreiche Pflege unserer lieben Mitmenschen!    

Die Sehnsucht nach der Vergangenheit

Die Sehnsucht nach der Vergangenheit

Aus den Erzählungen einer pflegenden Angehörigen:

Mein Mann ist krank, ihm fallen Erledigungen schwer, auch gewohnte Bewegungen kann er oft nicht mehr ohne Unterstützung ausführen. Ich pflege ihn gemeinsam mit einer Pflegekraft, die mich mehrmals in der Woche mit Nachtdiensten unterstützt – so kann ich zumindest in einzelnen Nächten durchschlafen und neue Kraft für den kommenden Tag sammeln.

Kraft benötige ich jede Menge – vor allem mentale Stärke. Nicht dass ich falsch verstanden werde: ich kümmere mich mit Hingabe um meinen Ehemann, mit ihm gemeinsam habe ich schließlich die schönsten Momente meines Lebens erleben dürfen, Kinder großgezogen und zahlreiche Länder besucht. Aber genau diese Erinnerungen sind es, die mich den jetzigen Anblick so schwer ertragen lassen. Mein Kopf versteht zwar, dass diese Situationen vorbei sind und ich versuchen muss auch in der jetzigen Lebenslage die schönen Momente (die gibt es auch!) aktiv zu erleben um sie genießen zu können. Doch diese vielen positiven Erinnerungen tun mir in Wirklichkeit sehr weh, das kann ich nicht verleugnen. Ich werde die Sehnsucht nach der Vergangenheit nicht los, das Bedürfnis meine Sorgen und Probleme mit meinem Mann zu teilen, auch seine starke Schulter zum Anlehnen in schwierigen Momenten. Das geht nun nicht mehr. Für mich bedeutet das eine Lücke, die nicht wieder schließbar ist.

Ich weiß nicht ob Trauer das richtige Wort ist, aber traurig bin ich schon darüber. Und diese Traurigkeit kostet mir sehr viel Kraft, die ich eigentlich für die Pflege meines Mannes an sich aufbringen möchte. Ich bewundere die Pflegekräfte, die jeden Tag viel Leid und Hilfsbedürftigkeit erleben müssen, aber dennoch immer wieder Kraft für den nächsten Tag sammeln können. Seitdem ich bei der Pflege unterstützt werde, habe ich nicht mehr das Gefühl ganz alleine für alles verantwortlich zu sein. Dieses Gefühl hilft mir Pflege auch als Aufgabe, die mir gestellt wird, zu begreifen.

Dass mein Mann zu Hause betreut werden kann, darüber bin ich sehr glücklich. Zu wissen, dass er in einem Heim von fremden Personen betreut wird und ich alleine zu Hause sitze, den Gedanken könnte ich nicht ertragen. Kraftraubend ist diese Sehnsucht nach der Vergangenheit mit Sicherheit, aber auch das ist ein Teil meines Lebens, den ich akzeptieren muss.

perfekt-betreut.at, Juli 2016

Zum UNO-Weltbevölkerungstag: Pflege als ewiger Frauenberuf?

Zum UNO-Weltbevölkerungstag: Pflege als ewiger Frauenberuf?

Frauen sind fürsorglich, daher pflegen sie besser. Ist das wirklich so?

Die Geschlechtergleichheit ist das zentrale Thema des diesjährigen UNO-Weltbevölkerungstages, der jedes Jahr am 11. Juli und somit am kommenden Montag begangen wird. „Lasst uns beschließen, die Rolle von Frauen und Mädchen durch unser Engagement für die Gleichstellung der Geschlechter zu stärken“, sagte UNO-Generalsekretär Kofi Annan in seiner Botschaft zum Weltbevölkerungstag. Bestimmte Berufsgruppen sind nach wie vor stark von Frauen dominiert – die Pflege gehört da ganz klar dazu.

Wie Untersuchungen zeigen, liegt der Anteil von Frauen in Pflegeberufen noch immer bei 80 Prozent. In der ambulanten Pflege sind es sogar 90 Prozent. Und auch in den Familien sind es vornehmlich noch immer die Frauen, die Familienangehörige pflegen und betreuen.

Es hält sich vielerorts der Glaube, dass eigentlich jede/r pflegen könne. Basis einer guten Pflege und Betreuung ist aber für die große Mehrheit der Betroffenen Fürsorglichkeit, und diese Eigenschaft wird meist noch immer vorwiegend als weibliche Eigenschaft beschrieben.

Doch auch Männer können und sollen fürsorglich sein. Wir von perfekt-betreut.at bemühen uns daher schon seit einigen Jahren Patienten auch von männlichen Pflegekräften zu überzeugen. Oft bestehen hier Bedenken und Unsicherheit zu Beginn, doch männliche Betreuungskräfte bringen auch Eigenschaften mit, die von Vorteil sein können. Vor allem wenn es darum geht etwas korpulentere pflegebedürftige Personen beim Duschen oder beim Transport zu unterstützen – Hebetätigkeiten fallen oft leichter und Patienten fühlen sich dadurch auch rasch sicherer.So sind wir davon überzeugt, dass jedes Geschlecht situationsbezogen ihren Vorteil in der Pflege einbringen kann.

Pflege ist eine intime Dienstleistung, daher unterstützen wir, dass Patienten in der häuslichen Betreuung ihren Wünschen die Pflegekraft betreffend Rechnung getragen wird. Gleichzeitig zeigt unsere Erfahrung, dass beide Geschlechter diesen Beruf exzellent ausüben können.