Plötzlich Pflegefall – was nun?

Plötzlich Pflegefall – was nun?

Der Schock sitzt tief, wenn man nach einer Operation oder einem Unfall plötzlich mit einem Pflegefall nahen familiären Kreis konfrontiert ist. Das bisherige Leben ist mit einem Schlag Geschichte – und ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Es muss viel organisiert werden: ein adäquates Bett, neue Medikamente, Bedarfsartikel und eine passende Betreuung für den Patienten – sei es in Form einer 24-Stunden-Pflege oder stundenweiser Heimhilfen. Folgende Schritt-für-Schritt Anleitung soll helfen derartige Situationen zu meistern.

1 – Man muss nicht alles alleine schaffen können

Kraft benötigt man ohnehin unglaublich viel, um die neu geschaffene Situation zu bewältigen. Viele Dinge müssen geregelt werden, viele Telefonate geführt werden: die Organisation ist aufwändig, um notwendige Utensilien, Medikamente und Hygieneartikel zu besorgen. Lassen Sie sich dabei von Familienangehörigen oder Freunden unterstützen.

2 – Beraten Sie sich mit Experten

Es ist ein löblicher Vorsatz den eigenen Partner pflegen und betreuen zu wollen – es ist aber gleichzeitig auch kein Fehler sich selbst etwas Zeit dafür zu geben. Holen Sie sich Hilfe von außen – wenn auch nur für ein paar Tage, Wochen oder für die ersten Monate. Ärzte beraten Sie in medizinischen Angelegenheiten, psychologische Berater besprechen mit Ihnen die mentale Herausforderung dieser Situation, Betreuungskräfte unterstützen Sie bei der operativen Tätigkeit der Pflege. Durch diese Hilfestellungen kann man sich auf die Gegebenheiten besser einstellen und so ist es später möglich Entscheidungen zu treffen, die durch Erfahrungswerte gestützt sind.

3 – Sie können nur dann pflegen, wenn Sie auch auf sich selbst schauen

Die Pflege eines Partners ist nicht nur eine physische, sondern auch psychische Herausforderung. Es gibt zahlreiche Beratungsstellen und viele Experten, die sich mit diesem Thema tagtäglich auseinandersetzen. Besprechen Sie Ihre Erfahrungen mit ihnen, stellen Sie Fragen, holen Sie Informationen ein und tauschen Sie sich aus.

Auch Selbsthilfegruppen sind für viele Personen eine annehmbare Möglichkeit sich auszutauschen und andere Perspektiven kennenzulernen. Sie müssen nicht alles ausprobieren, nur sollten Sie nicht vergessen, dass es derartige Angebote gibt.

4 – Die richtige Wahl der Unterstützung bei der Pflege

Meist weiß man zu Beginn nicht, welche Art der Unterstützung passend ist. Sie werden vom Krankenhauspersonal erste Vorschläge bekommen, zusätzlich sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

Bei welchen Tätigkeiten benötige ich Unterstützung?

Sind es fixe Elemente im Tagesablauf, bei denen eine Hilfestellung benötigt wird (zB Morgenhygiene, beim Aufstehen, beim Anziehen, etc.), oder sollte möglichst durchgehend jemand da sein, der sich um die pflegebedürftige Person kümmert (zB Sturzprävention, Unsicherheit in der Mobilität, Bettlägrigkeit etc.)? So können Sie rasch entscheiden, ob eher eine stundenweise Heimhilfe oder doch die 24-Stunden-Betreuung für Sie in Frage kommt. Bei einer Einsatzdauer von über 6 Stunden täglich übersteigt die finanzielle Belastung der stundenweisen Heimhilfe in der Regel die Kosten der 24-Stunden-Pflege.

Möchte ich eine Heimhilfe, die ich persönlich kenne?

Wenn Sie Wert darauf legen, dass die stundenweise Heimhilfe bzw. Betreuungskraft möglichst immer dieselbe Person ist, dann müssen Sie bei der Auswahl des Anbieters darauf achten, dass es keine Personalrotationen gibt. Das ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich.

Wieviel möchte ich in der Pflege selbst organisieren?

Bei der Wahl des Anbieters von Betreuungsleistungen ist das Ausmaß der Eigenverantwortung ein zentrales Entscheidungskriterium: viele Anbieter überlassen der Familie den Großteil der Organisation und stellen Anleitungen zur Verfügung, andere übernehmen die administrativen Belange (gewerberechtliche, melderechtliche, finanztechnische Meldungen) komplett. Besprechen Sie mit Angehörigen, wieviel Eigenverantwortung Sie sich diesbezüglich zumuten möchten.

 


 

Diese Fragestellungen sollen Ihnen eine erste Orientierungshilfe geben. Wichtig dabei ist, dass Sie stets Ihre eigenen Kapazitätsgrenzen im Blickwinkel behalten. Denn nur so können Sie eine langfristige, liebevolle Begleitung eines pflegebedürftigen Menschen sicherstellen.

perfekt-betreut, Februar 2018

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24h Betreuung mit oder ohne Agentur?

24h Betreuung mit oder ohne Agentur?

Brauche ich eine Pflegeagentur?

Als Betroffener ist man oft nicht sicher, wie man am besten und vor allem rasch eine 24h Pflege organisiert. Dazu sollte man Folgendes wissen:

Personenbetreuung ist in Österreich ein freies Gewerbe, daher hat jede/r die Möglichkeit einen Gewerbeschein für die Personenbetreuung zu lösen. Damit ist man berechtigt 24h Betreuungsdienste zu leisten.

Mit einer Agentur zusammen zu arbeiten ist daher nicht zwingend notwendig. Man kann durchaus auch privat Pfleger/innen suchen und ein direktes Betreuungsverhältnis mit diesen eingehen, ohne dass eine Agentur eingebunden ist.

Die Frage, ob man lieber mit einer Agentur oder ohne einer Agentur arbeitet, lässt sich leicht klären, indem man sich folgende Punkte überlegt:

1) Rascher Ersatz bei Ausfällen

Ist es in meiner Situation notwendig rasch einen adäquaten Ersatz zu haben, falls einmal eine Pflegekraft ausfällt (Krankheit, Nichterscheinen etc.), oder kann ich solche Situationen locker auch längerfristig überbrücken (ev. durch pflegende Angehörge)?

2) Qualitätskontrolle durch Fachpersonal

Lege ich Wert darauf, dass die Betreuung regelmäßig auch kontrolliert wird? Ist es mir wichtig, dass sich Experten den Pflegebedarf regelmäßig ansehen, um auf Veränderungen auch entsprechend reagieren zu können? Wie wichtig ist es mir, dass Aufzeichnungen der Pflegekraft immer wieder überprüft werden?

3) Übernahme der Organisation & Ansprechpartner

Wie wichtig ist es mir, einen Ansprechpartner für diese Betreuung zu haben? Sollte ein Konflikt mit der Betreuungskraft auftreten, ist es mir in diesen Situationen wichtig auf jemand Aussenstehenden zurückgreifen zu können, der die Situation mithilft zu lösen? Möchte ich die Zeit investieren, die die ganze Organisation in Anspruch nimmt, oder möchte ich das lieber abgeben?

Diese 3 Punkte sind kurz zusammengefasst der Mehrwert einer Agentur. Wie wichtig diese Serviceleistungen für jeden Einzelnen sind, ist von der Situation abhängig. Orientieren Sie sich an diesen 3 Fragen, dann wird Ihnen die Entscheidung ob mit oder ohne Pflegedienst zu arbeiten, leicht fallen.

perfekt-betreut.at