Die Grenzen zu unseren östlichen Nachbarstaaten (SK, HU, CZ) sind nun alle dicht. Steht die 24-Stunden-Betreuung vor einem Kollaps?

Nein, es gibt jedoch sehr viel Bewegung in verschiedene Richtungen: einige Betreuungskräfte sind in letzter Minute noch abgereist, hier bleiben Lücken, die es zu füllen gilt. Andererseits brechen manche Familien die Betreuung ab, da sie zum Schutz ihrer betreuungsbedürftigen Angehörigen die Sozialkontakte minimieren möchten. Dadurch stehen auch Betreuerinnen plötzlich ohne Familie da, die in der jetzigen Situation aber nicht nach Hause fahren können.

Der Großteil des Betreuungspersonals hat sich aufgrund der Grenzschließungen aber dafür entschieden, den Dienst bei ihren Patienten zu verlängern. Auch wir plädieren für diese Lösung, da damit Patient und Betreuer gleichermaßen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt wird. Es ist wünschenswert, dass derzeit kein Betreuerwechsel vorgenommen wird: die Ansteckungsgefahr wäre zu groß, dass Viren von „draußen“ eingeschleppt werden. In den letzten Tagen haben sich bereits sehr viele Betreuerinnen mit den Patienten in den Wohnungen „verschanzt“, um sich entsprechend zu schützen.

COVID19 Coronavirus und die 24-Stunden-Betreuung
24-Stunden-Betreuung in Zeiten der Corona-Krise: notwendige Maßnahmen und Hilfeleistung für Patienten und Betreuungskräfte

Das ist ein Ausnahmezustand – nur wann wird der Zeitpunkt kommen, an dem Grenzen der Belastbarkeit erreicht sind?

Mit physischen und psychischen Belastbarkeitsgrenzen werden wir fortlaufend zu tun haben – hier gilt es individuelle Lösungen auszuarbeiten. Zusammenarbeit ist nun das Gebot der Stunde: mit Interessensvertretungen, anderen Agenturnetzwerken, wie auch Entscheidungsträgern.

Denn zahlreiche Betreuerinnen vor Ort sind einer enormen physischen wie auch psychischen Belastung an ihrem Arbeitsplatz ausgesetzt sind. Alleine das Wissen, hier bleiben zu müssen und nicht nach Hause gehen zu können, bedeutet psychischen Stress. Mitunter ist das Internet die einzige Kontaktmöglichkeit mit der eigenen Familie im Herkunftsland bzw. zur Außenwelt generell. Selbst wenn Familienmitglieder der Betreuerinnen erkranken, ist derzeit eine Ausreise von Österreich nicht durchführbar.

 

Wie kann man das Betreuungspersonal unterstützen?

Das ist primär die Aufgabe von uns Agenturen, denn wir sind die ersten Ansprechpartner für die Betreuerinnen vor Ort. Es ist sehr wichtig, dass sich keine unserer  Betreuerinnen alleingelassen fühlt. Wir führen unzählige Telefonate, fragen aktiv nach und wirken beruhigend ein. Denn es gibt überall das Bedürfnis, die gegenwärtige Situation zu besprechen, und die eigenen Ängste teilen zu können. Das Gefühl des „Verstanden-Werdens“ gibt Mut und Hoffnung. Dabei geht es vor allem um die mentale Unterstützung der Betreuungskräfte, die wochenlang ihr Bestes geben und dabei an ihre Grenzen gehen.

 

perfekt-betreut.at, 17. März 2020

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