Es scheint ein Randthema zu sein, das nicht viele Menschen direkt betrifft. Doch durchschnittlich in jeder Schulklasse befindet sich ein pflegendes Kind. Unterstützung gibt es für die betroffenen Kinder nicht genug.

Es sind viele Kinde, die sich um den Haushalt, die Geschwister und die erkrankten Eltern kümmern müssen: sie putzen die Wohnung, verabreichen Tabletten, wechseln Verbände, leeren den Urinbeutel – Kinder pflegen häufiger ihre Mutter, den Vater oder ihre Geschwister, als bisher angenommen.

Das Thema ist ein großer, weißer Fleck, der wahrlich tabuisiert wird. Ein Grund dafür ist, dass Kinder und gerade Eltern oft Angst vor Behörden haben. Prinzipiell ist es so, dass wenn Kinder den Partner oder einen Elternteil übernehmen oder ersetzen müssen, sie damit die Grenzen der Belastbarkeit überschreiten. In diesen Fällen muss eine professionelle externe Hilfe hinzugezogen werden, denn keinem Kind sollte eine derartige Last aufgebürgt werden. Die Forderung geht daher auch an das Sozialsystem, welches Kindern im vertrauten Umfeld wie der Schule Gehör geben muss und dieses Thema aktiv anzusprechen ist.

Denn eine häufige Folge für pflegende Kinder ist zu einem gewissen Zeitpunkt eine psychotherapeutische Behandlung. Der Alltagsstress der Betroffenen, in denen sie sehr selbstständig auftreten müssen, und ein hohes Maß an Organisationstalent zu beweisen haben wird zu erdrückend. Aber nicht nur psychische Folgererscheinungen, auch körperliche Probleme, etwa durch schweres Tragen Heben, sind keine Seltenheit.

In vielen Fällen brechen soziale Kontakte weg, weil Pflege und Betreuung sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Das Verantwortungsgefühl gegenüber der Familie wird rasch höher als das eigene Empfinden. So wird die Mithilfe im Haushalt, bei der Medikation, bei der körperlichen Hygiene, wie auch die Aufsicht ihrer Geschwister zur Pflicht, die sich ohne fremde Hilfe und Anlaufstellen nicht steuern lässt und die gesamte Lebenssituation und -entscheidungen dominiert.

Deswegen muss man Räume schaffen, in denen gesprochen und zugehört werden kann, in denen Entlastung stattfindet und Sicherheit vermittelt werden kann. Vor allem muss die Angst vor Behörden oder Pflegediensten genommen werden, die frühzeitig helfen können. Wir hoffen, dass dieses Thema endlich enttabuisiert wird und nehmen den Weltkindertag 2019 der UNICEF zum Anlass diese Thematik aufzugreifen.

perfekt-betreut.at, November 2019

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