Pflege in den Wahlprogrammen

Liest man die Wahlprogramme der antretenden Parteien, so wird das Thema Pflege in sämtlichen Bewegungen als zentrales Anliegen angeführt. Die bisherigen Regierungsparteien streichen die bereits umgesetzte Eliminierung des Pflegeregresses hervor, trotzdem orten auch sie weiteren Veränderungsbedarf im Pflege- und Betreuungssektor.

Und ja, den gibt es! Pflege ist eine sehr zeitintensive Tätigkeit, oftmals sind etliche Stunden tagtäglich aufzubringen, um eine adäquate Versorgung einer pflegebedürftigen Person sicherzustellen. Pflegende Angehörige wissen genau, wie intensiv und wenig planbar Pflege ist. Denn die zu verrichtenden Tätigkeiten müssen auf den gesamten Tag, je nach Bedürfnis des Patienten, verteilt werden. Dass dies in vielen Fällen mit dem Berufsleben, das meist auf die Prinzipien Pünktlichkeit sowie fixe Arbeitszeiten baut, nicht vereinbar ist, verwundert nicht weiter.

Pflege ist zeitaufwändig, daher nicht billig

Aus diesem Grund stehen Angehörige oft rasch vor einer schwierigen Entscheidung: soll die pflegebedürftige Person im Familienverband gepflegt werden, oder sucht man Unterstützung, um die berufliche Tätigkeit aufrechterhalten zu können? Jede Variante ist eine Herausforderung und erfordert viel Kraft – und egal welche Entscheidung man trifft: Pflege ist teuer. Entscheidet man sich gegen den Job, so ist nicht nur der Einkommensverzicht zu berücksichtigen, sondern meist auch die Chance auf eine Wiedereinstellung zu einem späteren Zeitpunkt. Möchte man Unterstützung in Anspruch nehmen, um der Arbeit nachgehen zu können, so ist dieser finanzielle Mehraufwand erheblich: nicht weil Pflegekräfte so gut verdienen, sondern weil die Tätigkeit viel Zeit in Anspruch nimmt und Dienste von über 100 Stunden im Monat keine Seltenheit sind.

 

Das Problem mit der sozialen Gerechtigkeit

Derzeit sucht man bei der finanziellen Unterstützung im Pflegefall eine soziale Staffelung vergebens. Die Einstufung in die Pflegestufen 1 bis 7 schreibt den finanziellen Betrag vor, den man als Unterstützung für den Mehraufwand im Pflegefall erhält. Dass diese Zahlungen jahrelang nicht valorisiert wurden ist hinlänglich bekannt, eine adäquate Betreuung der pflegebedürftigen Person kann durch diese Beiträge bei Weitem nicht abgedeckt werden. In diesem Zusammenhang soll die zusätzliche Förderung der 24-Stunden-Betreuung nicht unerwähnt bleiben; das Problem, dass sich Personen mit niedrigen Einkommen die Art der Betreuung nicht aussuchen können, wird dadurch jedoch nicht entschärft.

 

Für schwächere Einkommen bleibt nur das Heim

Pflegebedürftige Personen, die den Betreuungsbedarf mit Eigenmitteln nicht abdecken können, werden der Wahlfreiheit beraubt, wo sie ihren Lebensabend verbringen möchten. Denn die Betreuung in den eigenen vier Wänden bleibt aus finanziellen Gründen verwehrt, obwohl diese Betreuungsform die kostengünstigste Form für das Sozialsystem ist. Diese Menschen müssen – oft gegen ihren Willen – in ein Heim. Dieser Missstand muss beseitigt werden, da er nicht notwendig ist und leicht vermeidbar wäre.

Ja, es gibt auch Patienten, die gerne im Heim wohnen und man kann auch über das 24-Stunden-Betreuungssystem diskutieren. Aber es wäre ganz wichtig, dass jede Familie grundsätzlich für sich entscheiden kann, in welcher Form ihre Angehörige betreut werden sollen. Und das alles geht ohne Mehrkosten und die Diskussion einer Gegenfinanzierung, es ist lediglich eine Frage der gerechten Verteilung vorhandener Mittel.

 

Wolfgang Kutschera, perfekt-betreut.at, September 2017

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Ein Gedanke zu “Pflege im Wahlkampf 2017: jeder will was ändern!

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