Um 06.30h läutet mein Wecker. Ich stehe auf, möchte eine Dusche nehmen. Davor sehe ich aber, dass eine Nachricht angekommen ist: die Nachricht, dass eine unserer Patientinnen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Da es nun das 3. Mal innerhalb eines Monats war, beunruhigt mich diese Nachricht. Ich möchte genauer wissen was los ist. Daher rasch geduscht, gefrühstückt und meinen Kleinen in den Kindergarten gebracht. Danach direkt ins Hartmannspital.

Die 24 Stunden Betreuerin, die diese Patientin pflegt, erwartet mich schon am Eingang zur Station. „Was ist los?“, frage ich. „Sie hat viel Wasser in den Füßen, es sieht nicht sehr gut aus.“ Wir gehen zu ihr, sie lächelt mich an. Doch plötzlich verändert sich dieses Lächeln in ein schmerzverzerrtes Gesicht. Jede Bewegung scheint ihr Schmerzen zuzufügen. Sich auszudrücken fällt ihr mittlerweile schon schwer, aber das wiederkehrende Kreuzzeichen ihrer Hand spricht eine deutliche Sprache.

Ihre Sehnsucht nach dem Loslassen ist ihr anzusehen. Sie will nicht mehr, weil sie schon so viel ertragen musste. Ihr Körper trägt sie nicht mehr weiter, das ständige Zusehen wenn andere sie tragen, transportieren und waschen müssen – es reicht. Es ist nun genug. Um das zu verstehen reicht ein Blick in ihre Augen. Da braucht es keine Worte dazu.

Was macht man in so einer Situation? Mut zusprechen? Ja, weil man’s so gelernt hat: Emotionen unterdrücken, damit man eine Stütze sein kann und Stärke, Mut und Kraft ausstrahlt. Nur bin ich nicht sicher, ob das immer die adäquateste Reaktion ist.

Am Abend klingelt das Telefon, die 24h-Betreuerin unterrichtet mich vom Tod der Patientin. Es war nicht überraschend, aber trotzdem ein Moment des Schocks. Nun war es tatsächlich so weit, ihr Leben ist vorbei. Endlich durfte sie diesen schmerzenden, belastenden Körper verlassen. Was bleibt, sind Erinnerungen. 74 Jahre Geschichte enden hier. Eigentlich unfassbar.

perfekt-betreut.at

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