Die Pflegeausbildung wird reformiert – ein Schritt, der von zahlreichen Presseaussendungen und Stellungnahmen medial begleitet und auch kontroversiell diskutiert wird. Wird diese Reform vor allem aus Patientensicht Vor- oder Nachteile mit sich bringen? Pflege bedeutet viel Verantwortung, die Notwendigkeit einer profunden Ausbildung steht außer Frage. Nur muss sie auch weiterhin finanzierbar bleiben. Eine Herausforderung für die Gesundheitspolitik.

Die Notwendigkeit der Akademisierung

Die Akademisierung der Pflege ist in Österreich absolut notwendig, was allein durch steigende Anforderungen an das Pflegepersonal, aber auch aufgrund des sehr komplexen Aufgabengebietes der Gesundheits- und Krankenpflege begründet liegt. Warum dieser Schritt nicht schon früher gesetzt wurde und Österreich hier im internationalen Vergleich sehr oft als Schlusslicht aufscheint ist eine Frage, der Nicole Orischnig in ihrer Diplomarbeit nachgegangen ist. Sie zählt vor allem die Hierarchie zwischen den Gesundheitsberufen und das niedrige Ansehen der Gesundheits- und Krankenpflege als Hauptgründe dafür auf. Um die Notwendigkeit der Akademisierung zu unterstreichen kann man sich einer breiten Palette an überzeugenden Argumenten bedienen. Am wichtigsten ist aber die Tatsache, dass gesellschaftliche Veränderungsprozesse zu berücksichtigen sind. Patienten sind aufgeklärter, selbstbewusster, haben auch einen höheren Anspruch einem Dienstleister gegenüber. Vor allem in der intimen Dienstleistung der Pflege ist es umso wichtiger eine kompetente Fachkraft einzusetzen.

Mehr Kompetenz, mehr Hintergrundwissen, mehr Vertrauen durch Professionalität. Das wird von Patienten – zurecht! – verlangt und ist unserer Zeit auch würdig. Wirtschaftlich ausgedrückt muss man wie in jeder Dienstleistung bestrebt sein ein optimales Angebot zu bieten und ständig an der eigenen Perfektion zu arbeiten. Ich wüsste keinen Grund warum das für pflegerische Dienstleistungen nicht gelten sollte!

Die Leistbarkeit darf nicht gefährdet werden

Perfektion muss das Ziel sein – nur darf nicht vergessen werden, dass bessere Ausbildungen im Endeffekt auch Geld kosten. Nicht nur die Ausbildung an sich, sondern auch der berechtigte Entlohnungsanspruch akademisch ausgebildeter Fachkräfte. Das soll auch so sein, denn Qualität kostet – und das überall.

Das Gesundheitssystem ist prinzipiell sehr teuer, gleichzeitig gibt es aber auch viele Einsparungsmöglichkeiten im organisatorischen Bereich. Es handelt sich also mehr um ein Verteilungsproblem als um eine chronische Unterfinanzierung. Die Politik sollte dieses Thema rasch in Angriff nehmen, da wir in Zukunft auf große Herausforderungen im Bereich der Pflege, und noch intensiver in der Seniorenbetreuung stoßen werden. Durch die demographische Entwicklung werden wir immer älter, dafür braucht es aber auch neue Strukturen und vor allem Förderungen.

Die Betreuung von Senioren muss leistbar bleiben, vor allem für jene Betroffene, die keine durchgängige Betreuung in Anspruch nehmen müssen, aber dennoch regelmäßige Unterstützung benötigen. Gerade im Bereich der Personenbetreuung wird das Ausbildungsniveau immer wieder heftig kritisiert. Auch hier muss man über kurz oder lang nachdenken, wie man Bildung und notwendige Fachkompetenzen sicherstellt um nach wie vor existierende Missstände endgültig zu beseitigen.

Die Akademisierung der Pflege ist richtig und ein wichtiger Schritt, kann aber nicht ohne ein entsprechendes Nachziehen der Förderstruktur umgesetzt werden. Nur so kann Betreuung und Pflege leistbar bleiben!

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