Über Alzheimer wird viel geredet. Dennoch sind diese und andere Demenzkrankeiten ein Schreckgespenst. Diese Angst muss jedoch überwunden werden, um sowohl Betroffenen, als auch deren Angehörige ein weiterhin gutes Leben zu ermöglichen.

Internationale Alzheimer-Konferenz

Vor ein paar Tagen fand in Budapest (H) die internationale Alzheimer-Konferenz statt. Im Bereich der Forschung hat sich in den letzten Jahren sehr viel im Hinblick auf Demenz und neurologischen Erkrankungen bewegt – eine Wunderpille oder effektive Therapie gegen Alzheimer ist dennoch in weiter Ferne.

In Österreich leiden schätzungsweise 130.000 Menschen an dementiellen Krankheiten. Die Anzahl der Neuerkrankungen wird sich zwar nicht dramatisch erhöhen, die „Problematik“ ist jedoch die steigende Lebenserwartung. Denn Alzheimer ist eine Krankheit, die man zwar nicht heilen kann, man versucht sie jedoch zu verzögern. Nur wenn wir immer älter werden, dann hat auch die Kunst des Hinauszögerns seine Grenzen.

Demenzstrategie Österreich

Die Demenzstrategie, die von Experten ausgearbeitet und zum Jahreswechsel öffentlich präsentiert wurde beschreibt im Wesentlichen 7 Wirkungsziele:

  1. Teilhabe und Selbstbestimmung der Betroffenen sind sicherzustellen
  2. Die Information ist auszubauen
  3. Wissen und Kompetenz müssen gestärkt werden
  4. Rahmenbedingungen müssen einheitlich gestaltet werden
  5. Demenzgerechte Versorgungsangebote sind sicherzustellen
  6. Koordination und Kooperation im Hinblick auf Betroffene ist auszubauen
  7. Qualitätssicherung und -verbesserung ist durch Forschung zu erzielen

Viele dieser Ziele tragen die Bestrebung in sich, an Demenz erkrankte Personen stärker und aktiver in unsere Gesellschaft zu integrieren.

 

Worum es wirklich geht: Integration

Warum ist Integration bei Alzheimer-Patienten so schwierig? Warum erachten wir ihr Leben als nicht integrationsfähig? Ein nachvollziehbares Argument, das auch Ulrich H. J. Körtner in einem Gastartikel des ORF ausführt, ist die Leistungsorientiertheit unserer Gesellschaft: es muss immer mehr sein. Mehr Wissen, noch eine Sprache, mehr Erfolge im Sport, mehr wirtschaftliches Geschick um die Gewinne zu maximieren etc. Menschen, die ihr Wissen nicht ausbauen können, die sind da natürlich schwer zu integrieren.

Ein entscheidender Faktor für Integration ist Zeit. Denn Integration braucht immer Zeit – wir sehen das ja aktuell auch in der Flüchtlings- und Asylfrage. Das geht nicht von heute auf morgen, und schon gar nicht wenn man als Gesellschaft akzeptiert, dass „die halt auch da sind“. Das ist entschieden zu wenig, und hier können wir sicherlich mehr machen: mehr Zeit für Betroffene zu organisieren (es muss nicht immer ich sein, der diese Zeit zur Verfügung stellt), mehr Entschleunigung zuzulassen.

perfekt-betreut.at, April 2016

 

Ein Gedanke zu “Gut leben mit Demenz – Alzheimer als Teil unserer Gesellschaft

  1. Das wesentliche Thema auf den Punkt gebracht! Vielen Dank!

    Integration ist eines der wichtigsten Themen für Randgruppen. Und leider müssen wir Demenz und Alzheimer Patienten mittlerweile ebenfalls zur Kategorie „Randgruppe“ zählen.

    Aber woher kommt diese Entwicklung und Notwendigkeit nach Integration eigentlich? Warum geschieht das nicht auf eine ganz natürliche und menschliche Art und Weise?

    Ich fürchte, der Grund dafür ist ebenso menschlich, nämlich Angst und Ungewissheit vor dem Unbekannten, vor dem Verstörenden, dem Irritierenden. Der allgemeine Grund für die Entstehung von Randgruppen.

    Versuchen wir doch, diese Ängste abzulegen, lassen wir uns nicht verunsichern und gehen wir doch einen Schritt auf die Betroffenen zu. Zeigen wir Ihnen das Verständnis das sie benötigen und auch den Respekt, den Sie sich während ihres ganzen Lebens verdient haben! Denn jeder von Ihnen hat etwas in seinem Leben geleistet und dabei nicht geahnt dass er einmal an Demenz erkranken wird, Genauso, wie wir versuchen, in unserem Leben etwas zu leisten und dabei auch nicht wissen, ob wir nicht doch einmal zu dieser Randgruppe gehören müssen!

    Also, versuche wir in stillen Momenten uns vorzustellen, wie wir in einer solchen Situation gerne behandelt werden würden. Der Rest sollte sich dann von selbst ergeben…

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